Nachschau - Veranstaltung am 19.11.2011

 

 

 

 

 

 

Eintagesseminar
zum Thema

Die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU (GSVP)

unter der besonderen Berücksichtigung der Ereignisse in Nordafrika und der Arabischen Welt

Referenten:

Jörg Reschke

Präsident EuroDefense und Flottillenadmiral a.D.

Dr. Stephan Kokew

 Islam- und Religionswissenschaftler
Universität Leipzig

Dr. Céline-Agathe Caro

Koordinatorin für Europapolitik
Konrad-Adenauer-Stiftung Berlin

am Samstag, 19. November 2011, 09.00 - 16.00 Uhr 
Chemnitz, Technische Universität
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"loyal" - Bericht
zur Veranstaltung

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“

In Tunesien, Ägypten, Libyen, Syrien fallen oder wanken die alten Systeme. Doch wie steht die EU zu den Aufständen und was sind die Hintergründe für die Unruhen in diesen Ländern? Diese Fragen kamen auf der sicherheitspolitischen Herbsttagung der Landesgruppen auf den Tisch und dazu eine Reihe neuer Erkenntnisse.

Unerwartet und scheinbar ohne Vorwarnung kamen sie, die Umstürze und Revolten in der nordafrikanisch-arabischen Welt. Grund genug, dass sich auch die Reservisten gemeinsam mit ihren Partnern mit diesem Thema beschäftigen. Das Tagesseminar, das an der TU Chemnitz Mitte November stattfand, war mit etwa 80 Teilnehmern fast ausgebucht. Die Veranstalter - neben dem Reservistenverband auch die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung (SLpB) und die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) - wird dieser Erfolg und Zuspruch gefreut haben.

Den Einstieg machte Flottillenadmiral a.D. Jörg Reschke mit seiner Betrachtung zur „Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik“ der EU und der Anti-Piraten-Mission „Atalanta“. Reschke skizzierte die Grundsätzen des vernetzten Ansatzes europäischer Sicherheitspolitik und erläuterte den Teilnehmern die Kernfaktoren, die für eine Seestrategie betrachtet werden müssten. Obwohl eine „Grand Strategy“ in Deutschland fehle, ist die Sicherung der Seewege lebenswichtig für die EU und die Bundesrepublik. Denn, so Reschke weiter, 21% des deutschen Außenhandels werden über den Seeweg abgewickelt. Eine Gefährdung des Handels wie etwa vor Somalia, müsse daher entgegengewirkt werden.

Die Gründe für den Ausbruch der Revolten in Nordafrika beschäftigten den Arabist und Religionswissenschaftler Stephan Kokew. Der Leipziger Wissenschaftler veranschaulichte vor allem die trostlosen Zukunftsaussichten der jüngeren Generation der Länder. Die korrupten Systeme hätten dazu geführt, dass Aufstiegschancen verstellt würden und dass Ungerechtigkeit herrsche. Treffend folgerte Kokew, dass der Mensch eben nicht nur vom Brot allein lebe. Auch die religiösen Hintergründe beleuchtete der Referent. So zeigte er, dass die Auslegung des Koran und der Sharia, dem islamischen Gesetzbuch also, von Land zu Land unterschiedlich gehandhabt wird und gerade die gestürzten Regime einem laizistischen Ansatz nachgingen.  

Mit französischem Charme gelang es Dr. Celine-Agathe Caro von der Konrad-Adenauer Stiftung, den Teilnehmern die Strukturen der sicherheitspolitischen Institutionen der EU zu vermitteln. Europa hatte bei der Gestaltung einer gemeinsamen Verteidigungs- und Sicherheitspolitik Höhen und Tiefen hinnehmen müssen, so Caro. Zwar scheiterten die ersten Ansätze, doch ist letztlich mit dem Vertrag von Lissabon die Grundlage für ein koordiniertes Vorgehen der Europäer gelegt. Dr. Caro veranschaulichte in ihrer Präsentation, dass derzeit 14 EU-Missionen militärischer und ziviler Art laufen, darunter auch im Nahen Osten und in Afrika. Ein Manko bleibt hingegen: durch die verschiedenen nationalen Interessen innerhalb der EU ist eine einheitliche Strategie gegenüber den Herausforderungen im nordafrikanischen Raum kaum möglich. Nicht zuletzt zeigte sich dies im Fall Libyens.

Die Teilnehmer hatten für jeden Referenten ein Bündel an Fragen parat. Egal, ob es um die Sharia oder die Angriffstaktiken der somalischen Piraten oder die politischen Machtzirkel der EU ging, das Interesse der Zuhörer war groß. Und dies ist ein Zeichen, das zeigt, dass sich Reservisten auch in neue Lagen schnell einarbeiten können.

Robert Kudrass

 

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