Nachschau - Veranstaltung am 10.11.2010

 

Sektionseigener Veranstaltungsbericht

Afghanistan ist der Kampf

um die Gunst der Bevölkerung

Halle. Im Rahmen ihrer diesjährigen Wintervortragsreihe konnte die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V. - Sektion Halle - unter dem Leitthema „Der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr und das freundliche Desinteresse der Heimatfront“ gemeinsam mit dem Verband der Reservisten der Bundeswehr e.V. – Landesgruppe Sachsen-Anhalt, dem Landeskommando Sachsen-Anhalt, der Jakob-Kaiser Stiftung e.V., der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e.V. - Sektion Sachsen-Anhalt sowie der Stadt Halle am 10. November 2010 im Stadthaus Halle wiederum zahlreiche Teilnehmer willkommen heißen. Erstmalig wurde eine Veranstaltung der Wintervortragreihe derart gut angenommen, dass die Bestuhlung des Saals nicht ausreichte und kurzfristig Zusatzstühle zugestellt werden mussten.

Als Referent begrüßte Oberstleutnant a.D. Jürgen Rann, den Stellv. Befehlshaber im Wehrbereich III, Herrn Brigadegeneral Reinhard Golks aus Erfurt, der zum Thema „Counterinsurgency – Die Operationsführung in Afghanistan“ sprach. Oberstleutnant Rann wies in seinen einleitenden Worten darauf hin, dass der Islamismus nicht nur die westliche Wertegemeinschaft, sondern in letzter Konsequenz auch die islamische Welt bedrohen würde, da sich diese unmenschliche und totalitäre Form einer pseudoreligiösen Auslegung des Islam gegen dessen eigene Werte richten würde.

Brigadegeneral Reinhard Golks bei seinem Vortrag im Stadthaus

Zu Beginn seines Vortrags betonte Brigadegeneral Golks, dass die NATO in Afghanistan nicht ausschließlich gegen Taliban, sondern vielmehr gegen unterschiedlichste Gruppen Aufständischer kämpfen würde, zu denen Angehörige der Al-Qaida, regionale Warlords sowie weitere Kriminelle gehören würden. Somit müsse man ganz allgemein von Counterinsurgency (Aufstandsbekämpfung) sprechen.

Er verwies darauf, dass die deutschen Medien in aller Regel nicht über ganz Afghanistan, sondern überwiegend über den nördlichen Landesteil berichten würden. Hinsichtlich des derzeitigen Status’ Quo fände man recht widersprüchliche Einschätzungen. Diese reichten von Aussagen „man habe wichtige Voraussetzungen geschaffen und sei auf einem guten Weg“ bis hin zur Forderung, dass „man Voraussetzungen schaffen müsse, um Präsident Hamid Karsai zu Verhandlungen mit den Taliban zu bewegen“.

Ausgehend vom 11. September 2001 müsse man feststellen, dass der Fokus der amerikanischen Militäroperationen von Anfang an eindeutig darauf ausgerichtet war, Al-Qaida und deren Helfer zu beseitigen. Diese zielgerichtete (und ausschließliche) Terroristenbekämpfung führte anfangs auch zu schnellen Erfolgen. Die Taliban wären innerhalb kürzester Zeit aus Mazar-e Sharif vertrieben worden und die Allianz hätte die Kontrolle über Kabul übernommen. Der Wiederaufbau des Landes wäre freilich ausgeblieben. An dieser Strategie hätte sich bis zum Jahr 2006 nichts geändert. In diesem Jahr übernahm die NATO die Führung des Einsatzes und begann mit der Strategie des „Nation Buildings“. Bis zu diesem Zeitpunkt hätten die USA praktisch kein Geld in den Wiederaufbau Afghanistans investiert.

Letztendlich hätte man in Afghanistan die gleichen Erfahrungen wie im Irak gemacht. Die Wirkung von Streitkräften könne nach einem Einmarsch nur dann Nachhaltigkeit erzielen, wenn man die Bevölkerung auf die eigene Seite ziehen könne. Da dies in Afghanistan nicht dauerhaft gelungen sei, wäre die heutige Lage mit einer relativen Unzufriedenheit in der Bevölkerung sowie einem Wiedererstarken der Taliban entstanden.

Der Auftrag der ISAF-Truppen hätte sich mittlerweile verändert. Er sei nun breiter ausgerichtet und sowohl auf die Bekämpfung des Gegners, wie auch auf die Schaffung erlebbarer Fortschritte ausgerichtet. Die NATO-Kommandeure hätten entschieden, dass die Operationsführung dem Schutz der Bevölkerung unterzuordnen sei – eine für militärische Führer nicht in allen Lagen leicht zu akzeptierende Ausgangslage. Man benötige nicht nur Zeit, um gegen die Aufständischen nachhaltig zu wirken, sondern dieselbe Zeit, um die Bevölkerung von den eigenen, resp. gemeinsamen Zielen zu überzeugen. Eine wesentliche Frage wäre in diesem Zusammenhang, ob die Politik den Streitkräften genügend Zeit einräumen würde, um dieses Ziel zu erreichen. Deutscher Ansatz sei es von Anfang an gewesen, Militär, Politik und Entwicklungspolitik zu vereinbaren und die Verantwortung für Afghanistan möglichst schnell wieder in die Hände der eigenen Bevölkerung zu legen. Die Strategie sei aber von Anfang an von den USA bestimmt, gleichzeitig während des laufenden Prozesses mehrfach geändert worden. Mittlerweile sei auch der US-Fokus bevölkerungszentriert.

Wie sieht nun die aktuelle Bedrohungslage aus? Wer ist der Gegner der Koalitionstruppen? Nach deutscher Einschätzung sei die Bedrohungslage erheblich. Im Norden gäbe es einige Hot Spots, während im Osten und Süden die Hauptkampfgebiete lägen. Die Gegner würden soziale, wirtschaftliche und militärische Missstände ausnutzen. Ziel sei die Destabilisierung des gesamten Landes. Gleichwohl sei dies nur ein Teil der täglichen Bedrohung. Drogenkriminalität sowie weitere Zweige der organisierten Kriminalität seien ebenfalls wesentliche Teile des Szenarios, welchem sich die Truppen tagtäglich gegenübergestellt sähen. Die Grenzen der irregulären Aktivitäten wären fließend. Viele Gruppen seien speziell auf Afghanistan konzentriert, andere auf Pakistan. Al-Qaida hingegen würde globale Interessen verfolgen. Die meisten in Afghanistan operierenden Aufständischen seien Afghanen. Unter ihnen gäbe es viele unterschiedliche Gruppen, wie die um Mawlawi Jalaluddin Haqqani oder Gulbuddin Hekmatyār. Entscheidend seien die Quetta Shura Taliban. Die einzelnen Gruppen könnten darüber hinaus eindeutig demographisch und geographisch einzelnen Ethnien zugeordnet werden. Meistens würden sie aus dem Paschtunen-Gebiet heraus operieren. Diese Tatsache mache den Kampf gegen die Aufständischen extrem schwierig, liefe doch die Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan mitten durch Paschtunengebiet. Anerkannt würde die Grenze von beiden Seiten nicht. Die größten Teile der paschtunisch dominierten Gebiete lägen im Süden. Im Norden gäbe es einzelne „Taschen“.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sei die Tatsache, dass Afghanistan eine große strategische Bedeutung beizumessen sei. Bereits in der Vergangenheit seien bedeutsame Handelsrouten wie die Seidenstraße durch das Land verlaufen. Diese Bewegungslinien würden mitten durch ein künstlich geschaffenes Land erstrecken. Das heutige Operationsgebiet sei mit dem Paschtunengürtel, der sich mitten durch Afghanistan ziehen würde, nahezu identisch. Ziel der Aufständischen sei es, alle fremden Truppen aus Afghanistan zu vertreiben sowie die Regierung und den Staatsapparat zu schwächen und abzulösen. Diesbezüglich würden die verschiedenen Kommandeure teilweise gemeinsam operieren. Vertraute der regionalen Anführer würden zwischen den Gruppierungen verschoben. Al-Qaida würde regelmäßig Unterstützung aus Pakistan benötigen. Wichtige Produktionsstätten von IEDs (improvised explosive devices - Unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtungen) oder Sprengstoffwesten lägen auf pakistanischer Seite der Grenze.

General Golks bemerkte, dass die Aufständischen einen stillen, verdeckten Kampf der auf Prinzipien wie Angst, Erpressung oder Kidnapping beruhen würde, führen würden. Zusätzlich zu ihren militärischen Operationen würden sie die Bevölkerung damit gefügig machen. Durch die hohe mediale Wirkung ihrer IEDs oder Hinterhalte würde man den Kampf finanzieren sowie neue Kämpfer rekrutieren. ISAF solle dazu gezwungen werden zu reagieren, besser noch überzureagieren, um die Missgunst der Afghanen auf sich zu ziehen. Dass der Kampf um die Gunst der Bevölkerung das entscheidende Momentum in dieser Auseinandersetzung sei, hätten beide Seiten längst verstanden.

Grundsätzlich sei nicht jeder Kämpfer auch gleichzeitig Taliban. Nur die Quetta Shura Taliban, die einen Bezug zur Taliban-Regierung von 2001 hätten, von Mullah Mohammed Omar geführt und deren Entscheidungen in Quetta (Pakistan) getroffen würden, sähen sich als legitime Exilregierung. Mullah Omar würde von diesen auch nach neun Jahren immer noch als afghanischer Emir angesehen. Die Quetta Shura Taliban seien die aktivste Taliban-Gruppe. Ihr Schwerpunkt läge (unter paschtunischer Führung) in Helmand sowie in der Hochburg von Mullah Omar in Kandahar. Gerade durch den  Drogenhandel in Helmand würde der Kampf der Taliban finanziert. Mullah Omar selbst habe man seit Jahren nicht zu Gesicht bekommen, da auf ihn ein hohes Kopfgeld ausgesetzt sei. Gleichwohl sei er regelmäßig aktiv und würde auf die ISAF-Lage reagieren. Als beispielsweise 2009 ein unvorhergesehener Kommandeurwechsel, der gleichzeitig eine Änderung in der Strategie nach sich zog, an der Spitze der ISAF-Truppen vorgenommen wurde, gab Omar gleichzeitig eine Weisung mit 67 Artikeln an seine Kämpfer heraus, die ebenfalls bevölkerungszentriert war. Seine Kämpfer sollten nun auch den Schutz der Bevölkerung in den Mittelpunkt stellen, um zu verhindern, dass die NATO-Truppen die Afghanen und die Taliban auseinander dividieren würden.

Im Grunde genommen müssten die Aufständischen ISAF gar nicht bekämpfen, sondern nur warten, bis die Truppen die Unterstützung in ihren Heimatländern verlieren würden und im Anschluss daran abziehen müssten.

2009 hätte Mullah Omar dann eindeutig gegen die USA aufgerufen, da diese die Taliban vertrieben hätten. Teile der Kämpfe wären mittlerweile in den Norden und Westen verlegt worden. Dies sei u.a. Folge der Verdrängungssituation im Süden und Osten. Gleichzeitig würden die dort stationierten Truppen von den Taliban als „weich“ eingestuft, da sie mit einer großen Zahl von Gefallenen nicht umgehen könnten. Dies hätte zur Folge gehabt, dass sich die USA nun auch verstärkt im Norden engagieren würden.

Mullah Omar hätte eine Liste von US-Amerikanern herausgegeben, die gefangen genommen oder getötet werden sollten. Eine ebensolche Liste würde im Hinblick auf die Aufständischen auch auf Seiten westlicher Kräfte existieren. Letztmalig hätte sich Mullah Omar am 8. September 2010 gemeldet und verkündet, dass das Ziel, die ausländischen Truppen vertreiben zu können, in Kürze erreicht werden würde. Diese Ankündigung erfolgte vor dem Hintergrund, dass Staaten wie die Niederlande, Schweden oder Kanada angekündigt hatten, ihre Truppen abziehen zu wollen. Die Ankündigung von US-Präsident Barack Obama, die eigene Truppenstärke verringern zu wollen, wäre in diesem Kontext zu sehen.

Die militärischen Organisationseinheiten der Taliban würden teilweise aus 12 – 30 Kämpfern bestehen (große Gruppen), die den Auftrag hätten, Angriffe auf die ANP (Afghan National Police) durchzuführen oder Hinterhalte zu legen. Andere (kleine) Gruppen wären aus 5 – 12 Kämpfern zusammengesetzt, um Checkpoints zu errichten oder Patrouillen auszuschalten. Eine typische (hoch bewegliche) Gruppe würde z.B. aus vier Motorrädern mit Kämpfern bestehen. Diese wären von den Koalitionstruppen kaum zu stellen und nur schwer zu bekämpfen.

Nicht alle Taliban seien ideologisch geprägt - Geld würde eine ebenso wichtige Rolle spielen. Zudem würden sich die Taliban verändern. Es würde nicht mehr auf eine weltweite Revolution des Islam abgezielt, Schulen würden nicht mehr angezündet, man erlaube Impfungen von Kindern und gäbe sich gegenüber der Bevölkerung in der Auslegung der eigenen Regeln großzügiger.

In Bezug auf die Vorfälle gegenüber den Koalitionstruppen wäre eine Wellenbewegung feststellbar, die jeweils im Sommer ihren Höhepunkt erreichen würde. Seit dem Jahr 2006, als die NATO die Führung übernahm,  wären die sicherheitsrelevanten Vorkommnisse angestiegen, da mehr Truppen auch gleichzeitig mehr Aktivitäten nach sich ziehen würden. So hätte es beispielsweise bei der Präsidentenwahl im Jahr 2004 120 Anschläge gegeben. Im August 2009, bei der nächsten Wahl, sei diese Zahl auf mehr als 900 angestiegen. Die Anzahl der Sprengfallen stieg vom Jahr 2003 zum Jahr 2009 von  81 auf über 7200. Der Höhepunkt der gegnerischen Aktivitäten läge regelmäßig in den Monaten Juli/ August. Der Ramadan sowie sein Ende und die Drogenernte, die Geld in die Kassen spülen würde, hätten neben den Witterungsbedingungen wesentlichen Einfluss hierauf. 7200 IEDs würden aber auch darauf hinweisen, dass die Taliban über eine gute Logistik verfügen würden. Gleichzeitig wäre der Kampf der ISAF-Truppen nicht sonderlich erfolgreich, wären sie doch nicht in der Lage Produktion und verlegen der Sprengfallen wirkungsvoll zu unterbinden.

Die Operationen der Aufständischen hätten in den letzten Jahren viel Kontur gewonnen und seien zusammenhängender geworden. Die afghanische Ringstraße sei der Lebensnerv des Landes; die Anschläge zögen sich – operativ folgerichtig - an dieser Straße entlang.
Da die Erwartungen, die die Afghanen an die ISAF-Truppen hätten, in der Vergangenheit nicht erfüllt worden wären, hätten sich die Aufständischen den Taliban zugewandt. Dies gälte vor allem auch deshalb, weil diese, zumindest nach afghanischen Vorstellungen, Ordnung und Sicherheit wieder hergestellt hätten. Hauptfinanzierungsquellen seien nach wie vor der Drogenhandel sowie weitere Formen der organisierten Kriminalität.
Mittlerweile existierten in jeder Provinz Schattengouverneure, die der Referent als den derzeit gefährlichsten Gegner bezeichnete. Darüber hinaus wären von den Taliban eigene Gerichte und Finanzmanager eingesetzt worden, die (oftmals im Gegensatz zur Zentralgewalt in Kabul) die Verhältnisse vor Ort kennen und schnelle Lösungen herbeiführen würden. Die staatlichen Stellen seine diesbezüglich nicht präsent genug und deutlich zu langsam.

Hinsichtlich der Wertigkeit der gegen ISAF eingesetzten Mittel bezeichnete Brigadegeneral Golks Sprengfallen als billige und wichtigste Waffe der Aufständischen. Mit diesen Waffen wären sie in der Lage das Wo, Wann und Wie und somit das Momentum des Angriffs zu bestimmen. Die ISAF-Truppen hingegen würden zu Reaktionen gezwungen. An dieser Stelle würde die neue Operationsführung ansetzen. Wenn man den Bau, den Transport, das Ausbringen und das Zünden von IEDs nicht verhindern könne, so müsse man das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen, um diesbezügliche Informationen zu gewinnen und mit diesem Wissen die Sicherheit im Lande herstellen zu können.

Zur Erreichung dieses Zieles seien derzeit 130.000 Soldaten in Afghanistan eingesetzt.
90.000  (69%) davon würden alleine von den USA gestellt. Die restlichen 31% würden sich auf 47 weitere Nationen verteilen. Somit seien die US Streitkräfte mittlerweile auch im gesamten Land eingesetzt. Während sich die Operationsführung der NATO anfänglich auf den Bereich der Ringstraße konzentrierte, stünden heute andere Fragen zusätzlich im Mittelpunkt. Wo verlaufen die Hauptlebensadern des Landes (und der Taliban) und wo lebt die Bevölkerung? Wo muss man sie schützen? Dies wären wesentliche Fragen, die die heutige Operationsführung bestimmen und die Hauptoperationsgebiete festlegen würden. Mit der Änderung dieser Strategie wolle man die Afghanen auf die Seite von ISAF sowie des Staatsapparats bringen.

In dem ländlich geprägten Bereich Helmand hätte man zu Beginn des Einsatzes schnelle Erfolge erzielt. Der Lebensraum dort sei deutlich sicherer geworden. Im Bereich Kandahar hingegen müsse die Bevölkerung intensiver vorbereitet werden. Dies gälte umso mehr, als die Familie Karsai dort selbst höchst, wenn auch nicht unumstritten, aktiv wäre. Zudem handele es sich bei Kandahar um eine Stadt, wo man jederzeit auch mit Szenarien des Häuserkampfes rechnen müsse.

Die Zusammenarbeit zwischen den pakistanischen Streitkräften und den ISAF-Truppen bezeichnete der General als erstklassig. Er sei sich darüber hinaus sicher, dass die pakistanische Armee nicht alles tun dürfe, was sie könne und auch gerne würde. Nach der Flut in diesem Jahr, würden für das Frühjahr 2011 jedoch weitere Aktionen geplant und durchgeführt werden.

Grundsätzlich seien die Taliban rein statistisch und zahlenmäßig gut aufgestellt. Wie der Kampf um die Gunst der Bevölkerung jedoch ausgehen werde, würde sich voraussichtlich während des kommenden Jahres entscheiden. Im Rahmen eines demnächst stattfindenden NATO-Gipfels werde entschieden, ob man Truppen abbauen oder ein, wie auch immer geartetes weiteres Vorgehen beschließen werde. Derzeit sei eine Road Map und mit ihr die Übergabe der Verantwortung bzgl. der eigenen Sicherheit an die Afghanen für den Zeitraum 2011 – 2014 im Gespräch. Auch nach dieser Zeit sei jedoch eine weitere Unterstützung der Regierung durch westliche Staaten erforderlich.

Derzeitige Planung des ISAF-Kommandeurs sei es, durch die Übergabe von Provinzen potentiell frei werdende Kräfte zusätzlich in die Ausbildung der afghanischen Streitkräfte zu integrieren.

Seine Befürchtung sei es, so der Brigadegeneral, dass die in Afghanistan eingesetzten Soldaten eine gewisse militärische Stabilität herstellen könnten und aufgrund dieser vermeintlichen Sicherheit eine politische Entscheidung fallen könne, Afghanistan zu frühzeitig zu verlassen. Die Fassade der Entwicklung könne mit der realen Geschwindigkeit der militärischen Entwicklung nicht mithalten.

Es stelle sich abschließend die Frage, ob die vordergründig aufgebaute Sicherheit nachhaltig genug sei, damit Afghanistan die Verantwortung für die eigene Sicherheit übernehmen könne und nicht erneut zum Zentrum des islamistischen Terrors werde.

Im Anschluss an seinen Vortrag stand Brigadegeneral Golks für eine teils kritische und kontrovers geführte Diskussion zur Entwicklung und zu den Zukunftsaussichten Afghanistans zur Verfügung, bevor der Abend mit einem Empfang ausklang.

Die GfW weist bereits heute auf die nächste Veranstaltung ihrer diesjährigen Wintervortragsreihe am 1. Dezember 2010, 19.00 Uhr, Großer Festsaal, Stadthaus,
Marktplatz 2, 06108 Halle hin. Regierungsoberinspektor Tony Ewert wird als Opfer des Selbstmordanschlags vom 7. Juni 2003 über seine „persönlichen Erfahrungen mit einem Selbstmordattentäter“ berichten.

Text und Foto: Oberfeldapotheker Hartmut Berge

DJV # 15 2 1537

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