Nachschau - Veranstaltung am 19.11.2009

Die erste große Bürgerinitiative Deutschlands

90 Jahre Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Als engagierte Bürger unter dem Eindruck der Schrecken  des Ersten Weltkrieges den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gründeten, um den Kriegstoten ehrend zu gedenken, schrieb man den 16. Dezember 1919. Deutschland litt nach dem verlorenen Krieg unter Wirtschaftskrise und Reparationszahlungen. Staatliche Verpflichtungen,  wie das Gedenken an die Opfer des Krieges aufrechtzuerhalten, ihnen würdevolle Ruhestätten zu verschaffen sowie den Angehörigen bei der Fürsorge für die im Ausland fast unerreichbaren Kriegsgräber zu helfen, überforderten die noch junge Weimarer Republik. Bürgerliches Engagement trat daher an die Stelle staatlichen Handelns, weshalb der Volksbund, wie er gemeinhin kurz genannt wird, als die erste große Bürgerinitiative Deutschlands gelten darf. Während die Kriegsgräberfürsorge in allen Ländern der Welt eine staatliche Aufgabe ist, hat der Volksbund in Deutschland diese Verpflichtung übernommen. Als  „eingetragener Verein mit staatlichem Auftrag“ kann er heute auf nunmehr 90 Jahre Arbeit unter dem Motto “Arbeit für den Frieden und die Versöhnung über den Gräbern“ zurückblicken. Grund genug für die Sektion Halle der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V., in einer gemeinsamen Initiative mit dem Kreisverband Halle/Saalekreis des Volksbundes, der Stadt Halle, dem Landeskommando Sachsen-Anhalt der Bundeswehr sowie der Landesgruppe Sachsen-Anhalt des Reservistenverbandes, dieses Ereignis mit einer großen Informationsveranstaltung zu würdigen. Rund 100 Gäste konnten Oberstleutnant a.D. Jürgen Rann, Sektionsleiter Halle der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V. und MdL Bernhard Bönisch, Volksbund-Kreisvorsitzender Halle/Saalekreis, im großen Festsaal des Stadthauses begrüßen. Geboten wurde ein über zweistündiges Programm mit einer lockeren Abfolge von Film- und Redebeiträgen.

Unter dem Titel „Aus der Kraft der Erinnerung schöpfen“ gewährte ein brandneuer Film des Volksbundes tiefe Einblicke in die wechselvolle Geschichte des Volksbundes, vermittelte eine beeindruckende Arbeitsbilanz der vergangenen 90 Jahre und verdeutlichte zugleich die bis heute unveränderte gesellschaftliche Rolle des Volksbundes als Träger und Bewahrer der deutschen Gedenkkultur sowie als Mahner für den Frieden und die Aussöhnung zwischen den Völkern.

In seinem Grußwort zog der Landesvorsitzende, Landtagspräsident Dieter Steinecke, eine positive Bilanz der Arbeit des Volksbundes im Bundesland Sachsen-Anhalt und verwies auf eine mittlerweile nahezu flächendeckende Organisationsstruktur auf Kreisebene. Landesgeschäftsführer Jan Scherschmidt präsentierte in seinem Beitrag das breite Spektrum der  Aktivitäten des Volksbundes im Bundesland.

Höhepunkt und Glanzlicht der Veranstaltung war die Ansprache des Präsidenten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Reinhard Führer, der das Auditorium mit seinen höchst authentischen Darstellungen und sowohl bewegenden, als auch aufrüttelnden Worten in seinen Bann zog. In einem historischen Rückblick verdeutlichte der Präsident, dass der Volksbund in den vergangenen Jahrzehnten häufig vor neuen, scheinbar kaum zu bewältigenden Aufgaben gestanden hat, diese aber dennoch immer wieder hervorragend bewältigen konnte. Er verhehlte nicht, dass die Geschichte des Verbandes nicht frei von Brüchen war, ließ nicht unerwähnt, dass die frühe Selbstunterwerfung der Volksbundführung unter das nationalsozialistische Regime dem Verband wahrscheinlich die Eigenständigkeit rettete, stellte aber zugleich mit Bitterkeit fest, dass die willige Unterstützung der unseligen braunen Diktatur, die unser Land und Millionen Menschen weltweit in Tod und Verderben führte, dafür allerdings ein viel zu hoher Preis gewesen sei.  

Mit Stolz erfüllten ihn dagegen die großen Leistungen nach dem Zweiten Weltkrieg, als es nicht nur galt, die Abgründe der deutschen und auch der eigenen Geschichte zu überwinden, sondern quasi aus dem Nichts heraus ungleich größere Aufgaben als nach dem Ersten Weltkrieg zu bewältigen, sagte Führer. Er verwies auf beeindruckende Erfolge im Friedhofsbau und der Pflege der Friedhöfe, bei der Suche nach Kriegstoten, ihrer Bergung, endgültigen Bestattung und der Betreuung der Angehörigen. Der Präsident hob hervor, dass Kriegsgräber mehr seien, als nur Bestandteile nationaler Identität und Orte der persönlichen Trauer für die Angehörigen. Sie seien Stätten der Versöhnung, von Freundschaft und Frieden. Daher  habe der Volksbund seine Arbeit unter das Leitmotiv „Arbeit für den Frieden und die Versöhnung über den Gräbern“ gestellt und betreibe eine satzungsgemäß verankerte intensive internationale Jugendarbeit zur Förderung der Friedenserziehung.

 

Der Präsident betonte, dass es auch über 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs immer noch neue Herausforderungen und dringliche Aufgaben für den Volksbund zu bewältigen gäbe. Insbesondere da dem Verband bis zur politischen Zeitenwende in Europa im damaligen kommunistischen Bereich jegliche Aktivitäten verwehrt wurden, gelte es heute, die Kriegstoten in Mittel-, Ost- und Südeuropa zu bergen und zu bestatten. Wie schwer der Weg zur Versöhnung mit den Russen, Polen und Tschechen nach den tiefen Wunden des Zweiten Weltkrieges auch heute noch sei, schilderte Führer mit bewegenden Worten aus seinem großen Erfahrungsschatz persönlicher Begegnungen mit den dortigen Menschen. Die Bereitschaft zur Versöhnung, trotz unauslöschlicher Erinnerungen an erduldeter Gewalt, persönlich erfahrenem Leid oder dem Verlust geliebter Angehöriger, verlange ein besonderes Maß an menschlicher Größe, sagte der Präsident. Diese habe er in vielfältiger, oft beeindruckender Weise erfahren dürfen. Der Wille zur Aussöhnung sei spürbar. Nicht zuletzt diese Erfahrungen seien es, die ihn mit Dankbarkeit auf die bisher geleistete Arbeit zurückblicken lassen und zugleich Kraft und Motivation für die vor uns liegenden Aufgaben verleihen, beendete der Volksbund-Präsident seine beeindruckende Ansprache und appellierte an die Bürger, dem Volksbund heute und in Zukunft dabei zu helfen, seine Aufgaben zu erfüllen.  

Pressebericht zum Herunterladen als Word-Datei.

Präsentation des Landesgeschäftsführers zum Herunterladen als pdf-Datei.

 

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