Nachschau - Veranstaltung am 20.02.2014

 

3. Veranstaltung
im Rahmen der

Referent:

Oberfeldapotheker

Hartmut Berge

Leiter Versorgungs- und Instandsetzungszentrum

Sanitätsmaterial Blankenburg

am Donnerstag, 20. Februar 2014, 19.00 Uhr
im Großen Festsaal des Stadthauses

Marktplatz 2, 06108 Halle

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Eigenbericht der Sektion Halle (Saale)

Banda Aceh 2004 – Das Leben geht weiter!

GfW-Wintervortrag zum Katastrophenhilfeeinsatz nach dem Tsunami 2004

Oberfeldapotheker Hartmut Berge beim Vortrag im Gr. Festsaal des Stadthauses von Halle (Saale)

Während Mitteleuropa den Winter bei Plusgraden erlebt, meldet Tokio 30 cm Schnee, die USA große Kältewellen, aber die Philippinen nach einem Taifun am 08.11.2013 ähnlich wie Großbritannien große Überschwemmungen: Das Wetter ist nach wie vor unbeeinflussbar von menschlichem Wollen. Grenzübergreifend gestaltbar sind dagegen die Hilfeleistungen nach witterungsbedingten globalen Katastrophen. Von so einem Hilfseinsatz berichtete Oberfeldapotheker Hartmut Berge beim dritten Vortrag der Wintervortragsreihe, den die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) Sektion Halle (Saale) mit ihren Kooperations-partnern Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw e.V.) – Landesgruppe Sachsen-Anhalt und der Stadt Halle (Saale) im Stadthaus veranstaltet hat. Es ging um seine Beobachtungen und Erlebnisse vom Anfang des Jahres 2005 nach dem Tsunami vom 26. Dezember 2004.

Völlig zerstörte Küstenregion

Nach einem heftigen Seebeben, das mit unbändiger Wucht und 36 Meter hoher Flutwelle große Teile um den Indischen Ozean überschwemmte und etwa 250.000 Menschen um ihr Leben brachte und viele Schäden und Zerstörungen anrichtete, gehörte der Referent damals zu dem zwölfköpfigen Vorauskommando für den Bundeswehr-Hilfseinsatz an der indonesischen Küste in Banda Aceh auf Sumatra. Einige Wochen lang war er als Helfer vor Ort, was, wie er sich erinnert, ihm zum Zeitpunkt der Ablösung des Kontingents als zu kurz erschien, da er seine Aufgaben als noch nicht weit genug gediehen empfunden habe.

Inzwischen wisse er, dass gerade aus medizinischer Sicht die Ablösung zu diesem Zeitpunkt richtig gewesen sei. Ohnehin war dieser Auslandseinsatz, der sechste von einer inzwischen zweistelligen Zahl, nach seiner Aussage sein bisher härtester. Wer andere Wohnstandards kennt, erschrickt nicht nur vor Nachbeben in Stärken bis 6,4 jeden – auch Unterkünfte ohne Strom, ohne Toilette und ohne sanitäre Einrichtungen scheinen nur schwer akzeptabel. In seinem Einsatztagebuch vermerkte Berge, dass erst acht Tage nach seinem Eintreffen vor Ort am 8. Januar die ersten Dixie-Toiletten zur Verfügung standen: „Vorher gab es Natur.“

Zerstörungen bewohnter Gebiete

Der Referent zeigte erschreckende Bilder überschwemmter Landschaften, zerstörter Häuser, angeschwemmten Materials von Pflanzen, Sträuchern, Bäumen, Telefon- oder Strommasten, beschädigter Fahrzeuge, lebloser Körper von Tieren und verletzter oder toter Menschen. Aber die Situation der Helfer war nicht nur durch diese Bilder und – zunehmend – Gerüche und ihre eigenen Bemühungen um den Aufbau eines Rettungszentrums bestimmt, sondern vor allem durch die seelischen Belastungen fast aller Einheimischen, da viele früher dort Ansässige noch vermisst und jeden Tag neue Leichen und Verletzte gefunden und geborgen wurden.

Nur rund 50 Prozent der Einheimischen, berichtete Berge, überlebten die Geschehnisse. Hunderttausende Menschen verloren Familienmitglieder, Bekannte und Freunde. In guter Zusammenarbeit mit anderen Streitkräften und Hilfsorganisationen vor Ort, auch deutschen, zum Beispiel dem THW und dem Roten Kreuz, sei es gelungen, möglichst schnell hygienische Verhältnisse zu organisieren, den Menschen frisches Wasser zum Überleben, Trinken und Waschen heranzuschaffen und die Ansteckungsgefahren durch Impfungen zu reduzieren. Beschaffung und Verteilung von Medikamenten war eine der wichtigen Aufgaben als Apotheker vor Ort. Hartmut Berge nannte sieben verschiedene Infektionen, die sie zu bekämpfen hatten; der erste Antibiotika-Vorrat war nach drei Tagen aufgebraucht, aber nach mehreren Wochen habe sich nicht nur der Nachschub, sondern auch der Bedarf „normalisiert“.

Das mobile Rettungszentrum

Positiv in Erinnerung behalten hat der Referent die Einheimischen, die zwar zunächst gerne die internationale Hilfe und Unterstützung akzeptierten, dann aber willensstark und selbstbewusst alles selbst in die Hand nehmen und organisieren wollten. Solche zukunfts- und selbstbewussten Akteure vermisse mancher NATO-Soldat in anderen Auslandseinsatzräumen. Sie erleichterten aber den Abschied, weil man sicher sein könne, dass die Hilfe und Unterstützung nicht umsonst gewesen seien. Inzwischen sei das Leben in Banda Aceh weitergegangen und der Wiederaufbau in vielen Schritten vorangekommen.

Das Impfteam im Einsatz

Die Wintervortragsreihe, die diesmal unter dem Motto „Aktuelle ungelöste Sicherheitsfragen“ steht, wird am 20. März 2014 mit einem Vortrag zur Energieversorgung und -sicherheit fortgesetzt.

Ernst-W. Speidel


 

 

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