Nachschau - Veranstaltung am 21.02.2013

 

2. Vortragsveranstaltung

im Rahmen der

Wintervortragsreihe 2012/2013
zum Katastrophenschutz in Sachsen-Anhalt

mit dem Leitthema

"Lebenswelt sichern – Gefahren abwehren"

Thema des Abends:

Katastrophenschutz

erfordert engagierte Kräfte

Katastrophenschutzorganisationen stellen sich und ihre Arbeit vor 

am Donnerstag, 21. Februar 2013, 19.00 Uhr

im Gr. Festsaal des Stadthauses

Marktplatz 2, 06108 Halle

 

*****

Eigenbericht

GfW-Reihe „Lebenswelt sichern – Gefahren abwehren“

Wie sicher leben die Menschen in Halle (Saale)?

Podiumsdiskussion: Stärken und Probleme im Katastrophenschutz

Sektionsleiter Ernst W. Speidel leitete das Podium

„Das Glas ist halb voll – oder halb leer“, meinte Michael Borgmann, Landessprecher der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) für Sachsen-Anhalt, als einer der Teilnehmer der gestrigen Podiumsdiskussion, die von der Sektion Halle (Saale) der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) im Rahmen ihrer Wintervortragsreihe gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern organisiert worden  war. Unter der Moderation von Sektionsleiter Ernst W. Speidel sprachen die Repräsentanten verschiedener Katastrophenschutzorganisationen über ihre Fähigkeiten und Probleme. Die seien im globalen Vergleich bewältigbar, waren sich alle einig, denn „beim Katastrophenschutz gehört Deutschland zu den oberen zwei Prozent weltweit.“ Trotzdem gibt es nach übereinstimmender Auffassung der Gäste am Podium und im Saal auch in Halle (Saale) viel zu verbessern.

Die Podiumsgäste

Dass die Schadensszenarien sehr real sind, ging aus dem Kurzvortrag von Eyk Große vom Zivil- und Katastrophenschutz der Stadt hervor. Er erinnerte unter anderem an einen Großbrand von 1993, drei Hochwasser 1994, 2003 und 2011, einen Gebirgsschlag 1996, einen Kirchenbrand im Jahr 2000 und einen Bombenfund im letzten Oktober. Die Stadt sei jedoch auf derartige Situationen vorbereitet: In einem Katastrophenschutzplan, einer Gefährdungsanalyse sowie Sonderschutzdokumenten sei festgelegt, was jeweils wer dabei zu tun habe, Fachberater im Rathaus und in außerstädtischen Institutionen wirkten mit jeweils spezifischen Aufgaben zusammen  und koordinierten bei Bedarf die Einsatzkräfte. „Entwicklungsmöglichkeiten“, räumte Große ein, gäbe es jedoch bei Personalstärken und Ausbildung.

THW-Landessprecher Michael Borgmann (re.) und Marco Bohrer, stellv.THW-Ortsbeauftragter

Dieser Einschätzung zustimmend, hielten es THW-Landessprecher Michael Borgmann und Marco Bohrer (stellvertretender THW-Ortsbeauftragter) für schwierig, bei Katastrophen und Großschadensfällen im Inland auf Anforderung 12.000 Helfer innerhalb einer vorgegebenen Zeit zu stellen, wie es die Zielvorgabe ihrer Organisation vorsähe. Die Personaldecke sei „knapp geworden“, zumal seit der Strukturreform der Bundeswehr mit Aussetzung der Wehrpflicht.

Maik Scharf, Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes Halle (Saale), der im Rahmen des Katastrophenschutzes (ähnlich wie der von René Herlitz vertretene Malteserhilfsdienst) bei der Versorgung von Verletzten und dem Transport mitwirkt, verwies auf ähnliche Sachlagen wie bei den „Kollegen vom Deutschen Roten Kreuz“. Dessen Vertreter Andreas Hoffmann, Zugführer des örtlichen Betreuungszuges, benannte sie ausführlicher: Die Finanzierung sei unübersichtlich, da sie aus vielen Quellen komme. Das führe dazu, dass der Bund die Mittel zurückfahre, das Land zwar Vorschriften mache, aber nicht sage, woher das Geld kommen solle, die Stadt jedoch „nach Haushaltslage“ entscheide – und das bei rückläufiger Spendenbereitschaft. Dazu kommen Nachwuchsprobleme, auch hier besonders seit der Strukturreform der Bundeswehr. Die erste Frage vieler Freiwilliger sei häufig: „Was kriege ich an Geld?“

Ebenfalls auf ehrenamtliche Kräfte angewiesen ist Schirrmeister Schmidt vom Wasserrettungszug der örtlichen Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), die Rettungsschwimmer, -bootsführer und -taucher sowie Leichensuchhunde zur Verfügung stellt. Er sprach von einer „sehr dünnen Nabelschnur, was die Finanzen betrifft“. Bisher habe zwar die Stadt den Verein „nach ihren Möglichkeiten gut ausgestattet“, doch sei es schwierig und eher unwahrscheinlich, auch nur das Gleiche wie im Vorjahr zu erhalten.

(oben: vlnr.) Eyk Große, Zivil- und Katastrophenschutz Halle; Kriminaldirektor Ralf Klingler, Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd; René Herlitz, Malteserhilfsdienst; Stadtwehrleiter Halle Ziems; (unten: vlnr.) André Halko, Berufsfeuerwehr Halle; Andreas Hoffmann, Zugführer DRK Betreuungszug;  Schirrmeister Schmidt, Wasserrettungszug Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG);  Maik Scharf, Geschäftsführer Arbeiter-Samariter-Bund Halle (Saale)

Besonders aktiv versucht die Freiwillige Feuerwehr nach Aussage ihres Stadtwehrleiters Ziems das Nachwuchsproblem in den Griff zu bekommen: In der Kinderfeuerwehr werden schon Sechsjährige betreut und dadurch an künftige Aufgaben herangeführt. Finanzielle, aber auch strukturelle Engpässe blieben trotzdem nicht aus: Besonders die Freistellung der Feuerwehrleute durch die Arbeitgeber lasse zu wünschen übrig. Hier fehle möglicherweise eine gesetzliche Regelung. Dass aber gerade im Bereich des Brandschutzes großer Bedarf an Technik und Personal besteht, bestätigte André Halko von der Berufsfeuerwehr der Stadt: „In der Leitstelle gehen täglich 800 Anrufe ein, es gibt im Schnitt zwei Brände pro Tag.“

Spannend könnte es werden, wie die Polizei, die sich neben ihren anderen Aufgaben auch an der Gefahrenabwehr beteiligt, künftig mit Notrufen umgehen wird. Ab dem 20. März landen nämlich solche Anrufe in einer zentralen Annahmestelle, erklärte Kriminaldirektor Ralf Klingler von der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd: „Wie sich das bewährt, bleibt abzuwarten.“

Halles Stadtrat Werner Misch (CDU) fragt nach

Der im Publikum anwesende Stadtrat Werner Misch (CDU) bedauerte in der abschließenden allgemeinen Diskussion, dass die Arbeit der ehrenamtlichen Katastrophenhelfer „in der Öffentlichkeit gar nicht richtig wahrgenommen“ werde. So würden den DLRG-Mitgliedern die Benutzungsgebühren in den städtischen Bädern nicht ersetzt. Die Vertreter am Podium stimmten dem zwar zu, betonten aber auch, dass Schwierigkeiten ein „Ansporn“ für kreative Lösungsansätze seien. So gebe es zum Beispiel bei der DLRG interessante Benefitangebote, und Halle (Saale) sei nach wie vor gut aufgestellt: Gerade errangen Mitglieder dieses Vereins einen dritten Platz bei der Weltmeisterschaft der Rettungsschwimmer in Australien.  

Ansprechpartner für Rückfragen der Redaktion:

Ernst W. Speidel,

Nonnenstraße 21/103

04229 Leipzig

Tel. 0171/836 83 53

Fax 0341/25 34 849

Email ernst.w.speidel@t-online.de

Oben                                                                                                                               Zurück

Unsere Partner: