Nachschau - Veranstaltung am 17.12.2012

 

 

Podiumsdiskussion im Ariowitsch-Haus

mit Horst Wawrzynski

„Gemeinsamkeiten finden und

nicht Fremdes suchen“

Die Podiumsteilnehmer v.l.n.r.: Harald Fugger, Sonja Brogiato, Horst Wawrzynski, Joachim Holz, Ntagahoraho Burihabwa und Ernst W. Speidel in Aktion

Am 17.12.2012 widmeten sich der Verband der Reservisten der deutschen Bundeswehr e.V., Landesgruppe Sachsen, und die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V., Sektion Halle, dem Thema „Herausforderung Migration“ insbesondere auf kommunaler Ebene.

Kaum ein Veranstaltungsort dafür hätte besser geeignet sein können, als das Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus e. V., gegründet im Juni 2007 von jüdischen, christlichen und nicht konfessionellen Leipziger Bürgerinnen und Bürgern unter dem Credo: „Berge können sich nicht nähern, aber Menschen können aufeinander zugehen.“

Nach der Begrüßung durch den „Beauftragten Wirtschaft und Arbeit“ der Landesgruppe Sachsen, Herrn Fregattenkapitän der Reserve und Rechtsanwalt Joachim Holz, und dem Sektionsleiter Halle der „Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik“, Herrn Oberstleutnant a. D. Ernst W. Speidel, gaben die Podiumsteilnehmer ihre ersten Statements zu dieser kommunal-wirtschaftpolitischen Herausforderung ab.

In dem ersten Statement führte Herr Oberstleutnant a. D. Ernst W. Speidel die erforderlichen Definitionen ein und fand hervorragende Beispiele aus seinem als Soldat von Versetzungen geprägten Leben, wie man sich intern in Deutschland als Deutscher als Migrant bewegt, die zum Teil zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken anregten.

Im Anschluss an seine Ausführungen ergänzte Frau Sonja Brogiato, Sprecherin des Flüchtlingsrates Leipzig, die Darlegungen und stellte die Probleme von Migranten dar, die sich zum Teil durch Sprachbarrieren gehindert in ihrem neuen Umfeld zurechtfinden müssten. Insbesondere war auch Gegenstand ihrer Darlegungen, dass mit den ausländischen Mitbürgern Ressourcen in die aufnehmenden Gemeinden einfließen, die es gilt, allgemein gewinnmachend in die aufnehmenden Kommunen einzubringen.

Anschließend nahm Hauptmann Ntagahoraho Burihabwa als Vorsitzender des neu gegründeten Vereins „Deutscher Soldat e. V.“ das Thema auf, um von seinen eigenen Erfahrungen zu berichten. Sehr plastisch und authentisch stellte er Dinge aus seinem Leben dar, das er mit seinem eindeutig erkennbaren Migrationshintergrund seit seiner Geburt in Deutschland verbracht hat. Diese Beispiele zeigten den gut 50 Teilnehmern an dieser Veranstaltung, wie sehr doch Äußerlichkeiten unser Leben bestimmen, Vorurteile entstehen lassen und mit welchen zum Teil absurden Fragen man konfrontiert wird, wenn man nicht ganz dem einheitlichen Vorstellungsbild der Allgemeinheit eines Deutschen entspricht. Seine prägnanten Ausführungen werden viele Anwesende noch im nach hinein diskutieren und mit Sicherheit auch im Bekannten- und Freundeskreis besprechen.

Die Podiumsteilnehmer v.l.n.r.: Harald Fugger, Sonja Brogiato, Horst Wawrzynski, Ntagahoraho Burihabwa, Joachim Holz und Ernst W. Speidel nach Ende der Veranstaltung

Brigadegeneral a. D. Harald Fugger nahm den Ball auf und machte deutlich, dass gerade die Bundeswehr auch bei ihren Auslandseinsätzen von den deutschen Soldaten mit Migrationshintergrund profitiert. Die vertieften Kenntnisse dieser Soldaten in den Auslandseinsätzen sichern das Leben auch der anderen deutschen Soldaten. Sie sind ein unerlässlicher Bestandteil unserer Streitkräfte geworden. Gleichzeitig machte er deutlich, welche Gewinne auch die einheimische Wirtschaft von jungen Soldaten haben kann, die bereits in ihrer ersten beruflichen Verwendung interkulturelle Kompetenz erwerben, sich in völlig neuen Situationen zurechtfinden müssen und früh lernen, umfangreiche Verantwortung auch für das Leben anderer zeigen zu müssen. Die daraus entstehenden Ressourcen sollte keine Gemeinde aus den Augen verlieren. Soldaten sind am Standort nicht nur ein Gewinn in wirtschaftlicher Hinsicht, wenn es um Umsätze geht, sondern auch weltoffene Mitbürger, deren Erfahrungen zur Verfügung stehen.

Als parteiloser Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl in Leipzig hatte sodann Herr Horst Wawrzynski, ehemaliger Polizeipräsident zu Leipzig, das Wort. Er zeigte sich beeindruckt von den dargelegten Erfahrungen, die sowohl positiv als auch negativ belegt sind. Er stellte klar, dass Beseitigung von Vorurteilen und Anerkennung von gegenseitigen Wertigkeiten nur dadurch erfolgen kann, dass eine umfangreiche Bildung von Kind an betrieben wird. Gleichzeitig erteilte er gerade den extremistischen spaltenden Elementen der Gesellschaft eine deutliche und klare Absage, da deren Verhalten in vielerlei Sicht kontraproduktiv ist und der Allgemeinheit schadet. Eine moderne Gesellschaft hat mit den sich ergebenen neuen Möglichkeiten zu leben, diese gewinnbringend einzusetzen und entstehende Ressourcen auszuschöpfen. Voraussetzung dafür ist Bildung und das Bekenntnis zu unserer auf der freiheitlich demokratischen Grundordnung basierenden Rechtsstaatlichkeit des Grundgesetzes.

Nach diesen Eingangsstatements gab jeder der Podiumsteilnehmer auf Bitten des Moderators noch einen für ihn vorrangigen Wunsch für die Zukunft bekannt und sodann stand das Podium dem Auditorium für weitere Fragen zur Verfügung.

Nach der insgesamt fast zweistündigen Dauer der Veranstaltung konnte der Moderator, Herr Fregattenkapitän der Reserve und Rechtsanwalt Joachim Holz, zusammenfassend feststellen, dass wohl alle für die Zukunft den Gedanken teilen, dass Migration sinnvoll und erfolgreich ist, wenn die Gesellschaft versucht, „miteinander Gemeinsames zu finden und nicht Fremdes zu suchen“. Mit dieser vorweihnachtlich klingenden Botschaft endete die gelungene Veranstaltung, die wohl allen Anwesenden noch länger Grund zum Nachdenken über das Gehörte geben wird.

Lutger Sachse/ews

 

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