Nachschau - Veranstaltung am 06.06.2013

 

 

                                                                       

Vortrags- und Diskussionsabend

zum Thema

Vom Krieg im 21. Jahrhundert

- Afghanistan, Syrien, Mali

Referent:

Prof. Dr. Martin van Creveld

Militärhistoriker und -theoretiker

 

am Donnerstag, 06. Juni 2013, 19.00 Uhr

 im Le Manége

Am Neuen Markt 9 a/b

14467 Potsdam

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Vom Krieg im 21. Jahrhundert…

Martin van Creveld berichtete in Potsdam über die Kriege des 21. Jahrhunderts

Der renommierte Militärhistoriker Prof. Martin van Creveld sprach bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik und des Reservistenverbandes in Potsdam über die Entwicklung des Krieges. Der klassische Krieg zwischen Staaten, wie er ein halbes Jahrtausend Europa prägte, wird immer seltener werden. Der „neue Krieg“, der Konflikt zwischen Staaten und nichtstaatlichen Akteuren, bestimmt Gegenwart und Zukunft.

Seit dem zweiten Weltkrieg hat es keinen großen konventionellen Krieg zwischen den bedeutenden Staaten gegeben. Die clausewitzsche Dreifaltigkeit des Krieges zwischen Regierung, Armee und Bevölkerung ist damit aufgelöst. Insbesondere da im neuen Krieg die Unterscheidung zwischen Armee und Bevölkerung nicht mehr klar ist. Deutlich wird das auch in Afghanistan. Dort können sich die regierungsfeindlichen Kräfte leicht unter die Bevölkerung mischen und für die westlichen Truppen unerkannt agieren.

Diese Kriege sind für konventionelle Armeen fast nicht zu gewinnen. Selbst die schlagkräftigsten Armeen haben, auch unter erheblichen materiellen und personellen Einsatz, keinen Sieg erringen können. So verloren die USA den Konflikt in Vietnam und die Sowjetunion musste geschlagen aus Afghanistan abziehen. Den Grund dafür sieht van Creveld in der Demoralisierung der kriegführenden Staaten. Er illustrierte es am Beispiel des Kampfes zwischen einem Schwachen und einem Starken. Tötet der Starke den Schwachen ist er ein Mörder, lässt er es zu getötet zu werden ist er ein Dummkopf. Ein stark überlegener Akteur kann moralisch fast nur verlieren.

Im Konflikt gegen nichtstaatliche Kräfte sieht der Historiker nur zwei Möglichkeiten zum Sieg. Zum einem durch größtmöglicher Zurückhaltung durch das Militär. Dazu zählt der Verzicht auf den Einsatz schwerer Waffen, sich auch nicht durch brutale Akte provozieren zu lassen und dafür zu sorgen, dass keine unbewaffneten zu Schaden kommen. Auf diesem Weg hat Großbritannien erfolgreich die IRA bekämpft. Aber dies dauerte Jahrzehnte und forderte einen hohen Blutzoll. Die Britisch Armee hatte mehr als dreimal so viele Todesopfer zu beklagen als die IRA. Aber am Ende ging der IRA die Unterstützung und der Nachwuchs aus. Der zweite Ansatz ist gekennzeichnet vom harten und brutalen Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Aufständischen. Der Gegner muss dabei mit einem Schlag nachhaltig geschwächt werden und Angst und Schrecken vor der Weiterführung des Aufstandes verbreitet werden. Erfolgreich konnte so Hafiz al-Assad 1982 in Syrien mit dem Massaker von Hama seine Macht behaupten. Diese Art der Kriegführung ist für westliche Staaten, aus gutem Grund, keine Alternative. Ein nachhaltiger Sieg in den Konflikten der Gegenwart wird also sehr schwer sein und viel Ausdauer verlangen.

Text:  Ronald Nitschke
Foto: Steven Dewart

 

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