Nachschau - Veranstaltung am 10.06.2010

 

Informationsbesuch

beim

Fliegermuseum Neuhardenberg

mit

Besichtigung des Schlosses, der Schlosskirche und des Schlossparks

am

Donnerstag, 10. Juni 2010, 10:00 - 15:00 Uhr

*****

Sektionseigener Bericht

Besichtigung des Schlosses, des Lenné-Parks

 und der Schinkelkirche von Neuhardenberg

Etwa 70 km östlich von Berlin, im Oderbruch liegt Neuhardenberg. Der Ort verbindet sich durch seinen Namensträger, den Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg und dem von ihm und Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein ins Werk gesetzten preußischen Staatsreformen.

Neuhardenberg ist geprägt durch das klassizistische Schloss, das, ebenso wie die benachbarte Kirche, seine heutige Form von Karl Friedrich Schinkel erhielt. In der Schinkelkirche wird das Herz  des preußischen Staatskanzlers aufbewahrt. Der Schlosspark wurde gestaltet von Peter Joseph Lenné und Hermann Fürst von Pückler.

 

Schloss Neuhardenberg

Foto: Doris Antony, veröffentlicht unter den Bedingungen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation

Nur all die hardenbergschen Verdienste sollten nach 1945 in den Wertmaßstäben der vom Klassenkampf dominierten Geschichtsschreibung nicht das Geringste mehr wert sein. Hier spielte auch die Tatsache keine Rolle, dass ein Ururgroßneffe des preußischen Staatskanzlers, Carl Hans Graf von Hardenberg, zum engeren Kreis der Widerstandsbewegung gegen Hitler gehörte und von den Nazis enteignet und ins Konzentrationslager  geworfen worden war. Junker bleibt Junker, so die  unumstößliche Regel des Klassenkampfes. Hardenberg musste eine zweite Enteignung, nun durch die proletarische Bodenreform,  über sich ergehen lassen und zog sich nach Nörten- Hardenberg bei Göttingen zurück. Der Ort Neuhardenberg erhielt den Namen Marxwalde. Erst nach 42 Jahren, im Jahre 1991, wurde die Gemeinde in Neuhardenberg zurück- benannt. So war das eben in diesem Teil Deutschlands. Vor dem Prinzip des Klassenkampfes verblasste jede charakterliche Haltung und jede politische Leistung, auch wenn sie noch so antifaschistisch war.

Seit dem 22. Oktober 1991 kann man in der Familiengruft an der Schinkelkirche wieder an das Grab des Carl Hans Graf von Hardenberg herantreten im Gedenken, vielleicht mit Kopfschütteln, mit der Bitte um Nachsicht oder nur mit Demut und gelassenem Respekt. Denn die Geschichte scheint gnadenlos und ungerührt zu sein. Vielleicht könnte nicht nur hier in Neuhardenberg das Bismarckwort etwas zum Guten richten: „Wir müssen uns daran gewöhnen, in jedem Deutschen zuerst den Landsmann, nicht den politischen Gegner zu sehen“. Welch ein weiser und einfacher Ratschlag und wie schwer war und ist es, ihn zu befolgen! (*)

Schinkelkirche Neuhardenberg
Foto: Clemensfranz, veröffentlicht unter den Bedingungen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation

Im ehrenden Gedenken an Carl Hans Graf von Hardenberg legten die Teilnehmer an der Familiengruft  in der Schinkelkirche ein Blumengebinde nieder.

(*) Manfred Leitner „Auf dem Weg nach Deutschland-Erinnerungen eines ungläubigen Soldaten“

Besichtigung des Flugplatzmuseums

Neuhardenberg

Nach dem Besuch des Schlosses Neuhardenberg erfolgte am Nachmittag des 10. Juni die Besichtigung des Flugplatzmuseums von Neuhardenberg. Das Flugplatzmuseum gehört zum Heimatverein der Gemeinde Neuhardenberg und ist mit seiner interessanten Geschichte einen Besuch wert.

Im Winter 1934 begann der Ausbau des Flugplatzes und bereits noch in der Aufbauphase entwickelte sich die fliegerische Tätigkeit. Im März 1937 wurden auf diesem Flugplatz die ersten Raketenflugzeuge erprobt. Der junge Wernher von Braun experimentierte mit einer Werksgruppe der Heinkelwerke an  flugklaren He 112 mit seinem entwickelten Raketentriebwerk. Nach einer Reihe von Rückschlägen erfolgte bereits im Sommer 1937 der erste Start einer He 112 ohne Motor, nur mit Raketenantrieb. Der Start, der Flug und die Landung erfolgten problemlos, und von diesem Tag an war endgültig bewiesen, dass der Flug ohne Propeller Wirklichkeit werden würde.

Im 2. Weltkrieg erfolgte eine intensive Nutzung als Ausweich- und Schulflugplatz. Bereits am ersten Kriegstag verlegte die 2. Gruppe des Kampfgeschwaders 27 mit 30 Flugzeugen

He 111 von Hannover für kurze Zeit nach Neuhardenberg. 1940 begann die Flugzeugführerschule C 10 mit dem Schulbetrieb. Hier waren Ju 52, Ju 86 und He 111  als Schulflugzeuge eingesetzt. 1944 wurde die 1. Gruppe des Kampfgeschwaders 53 „Legion Condor“ aus Ostfrankreich nach Neuhardenberg verlegt. Mit dem Heranrücken der Front wurde der Flugplatz aufgegeben und zeitweise von Heeresverbänden besetzt. Am 19. April 1945 wurde Neuhardenberg durch die 5. Stoßarmee der sowjetischen Truppen eingenommen.

In der Zeit des Kalten Krieges wurde der Flugplatzes Neuhardenberg ab 1960 wieder genutzt. Am 06.01.1960 verlegt das Flieger-Geschwader 8 der NVA der DDR von Preschen nach Marxwalde, dem heutigen Neuhardenberg. 1961 erfolgte die Umbenennung in Jagdgeschwader 8 und die Aufnahme in das Diensthabende System der Luftverteidigung der DDR. 1962 wurde das JG 8 von Jagdflugzeugen des Typs MIG-17  auf das moderne  Jagdfugzeug vom Typ MIG-21 umgerüstet. Von großer Bedeutung ist die Tatsache, dass der erste deutsche Fliegerkosmonaut, Sigmund Jähn, als Pilot einer MIG-21, bis zu seinem Weltraumflug 1978,  hier in Neuhardenberg gedient hat. Heute ist Generalmajor a.D. Sigmund Jähn Ehrenbürger von Neuhardenberg.

Neuhardenberg war auch der Heimatflughafen des Transportgeschwader 44 und der Regierungsstaffel der DDR.

Im Oktober 1990 wurde das JG 8 mit einem Bestand von 41 MIG-21 und 8 MIG-21 UM durch die Bundeswehr übernommen und am 31.12.1990 schließlich aufgelöst. Nach 56 Jahren wurde damit das Kapitel Flugplatz Neuhardenberg geschlossen.

Diese Geschichte darf nicht vergessen werden!  Dafür sorgen eine handvoll flugbegeisterte Neuhardenberger, die in ehrenamtlicher Tätigkeit, mit viel Liebe und großer Begeisterung viele Dokumente zusammengetragen haben, selbst eine MIG-21 ist dabei, und sorgen dafür, dass die Geschichte des Flugplatzes Neuhardenberg bewahrt und nicht vergessen wird.

 

Die Strausberger Reisegruppe vor einer MIG 21 

Foto: GfW-Sektion Strausberg

So erlebten 38 Mitglieder und Freunde der GfW-Sektion Strausberg und der Kameradschaft ehemaliger Soldaten Reservisten und Hinterbliebener Strausberg mehr als 200 Jahre wechselvoller deutscher Geschichte.

Wolfgang Krieger 

 

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